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Zwangsversteigerung über GmbH kaufen — Vorteile, Nachteile & Praxis

17. Februar 202615 Min.Von ZVG Pilot RedaktionAktualisiert am 8. September 2026

Warum immer mehr Investoren Zwangsversteigerungen über eine GmbH kaufen

Die Zwangsversteigerung bietet ohnehin schon einen Preisvorteil gegenüber dem freien Markt. Wer diesen Vorteil mit einer steuerlich optimierten Erwerbsstruktur kombiniert, kann die Rendite nochmals erheblich steigern. Genau hier kommt die GmbH als Erwerbsvehikel ins Spiel. Während Privatpersonen Mieterträge mit ihrem persönlichen Einkommensteuersatz von bis zu 45 Prozent (plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) versteuern müssen, liegt die Körperschaftsteuer einer GmbH bei lediglich 15 Prozent. Diese Differenz entfaltet über die Jahre eine enorme Hebelwirkung -- insbesondere dann, wenn Gewinne nicht entnommen, sondern reinvestiert werden.

Dieser Ratgeber erklärt Ihnen im Detail, welche GmbH-Form sich für den Immobilienerwerb in der Zwangsversteigerung eignet, wie die Steuerbelastung konkret aussieht, welche Besonderheiten das ZVG-Verfahren mit sich bringt und ab welchem Investitionsvolumen sich die Gründung lohnt.

Was unterscheidet vermögensverwaltende und gewerbliche GmbH?

Die entscheidende Weichenstellung bei der Wahl der GmbH-Struktur liegt in der Unterscheidung zwischen vermögensverwaltender und gewerblich tätiger Gesellschaft. Diese Einordnung hat massive steuerliche Auswirkungen.

Die vermögensverwaltende GmbH

Eine vermögensverwaltende GmbH beschränkt sich auf die reine Verwaltung eigenen Vermögens. Im Immobilienkontext bedeutet das: Kauf, Halten und Vermieten von Immobilien. Die Gesellschaft tritt nicht am Markt als Händlerin auf und überschreitet nicht die sogenannte Drei-Objekt-Grenze des gewerblichen Grundstückshandels. Steuerlich ist sie dennoch eine Kapitalgesellschaft und unterliegt der Körperschaftsteuer. Entscheidend ist jedoch, dass sie unter bestimmten Voraussetzungen von der Gewerbesteuer befreit werden kann -- dazu später mehr.

Die gewerblich tätige GmbH

Sobald eine GmbH über die reine Vermögensverwaltung hinausgeht -- etwa durch regelmäßigen An- und Verkauf von Immobilien (gewerblicher Grundstückshandel) oder durch ergänzende Dienstleistungen wie Hausverwaltung für Dritte -- gilt sie als gewerblich tätig. In diesem Fall fällt neben der Körperschaftsteuer auch die volle Gewerbesteuer an. Das erhöht die Gesamtsteuerbelastung auf rund 30 Prozent, was den Steuervorteil gegenüber der Privatperson bei hohen Einkommensteuersätzen zwar immer noch erhält, ihn aber deutlich reduziert.

Empfehlung für ZVG-Investoren: Wer Immobilien aus Zwangsversteigerungen langfristig halten und vermieten möchte — etwa Mehrfamilienhäuser als Kapitalanlage — sollte auf die vermögensverwaltende Struktur setzen. Wer dagegen plant, Objekte nach Sanierung zeitnah weiterzuveräußn, operiert zwangsläufig gewerblich.

Wie hoch ist die Steuerbelastung bei Privatperson und GmbH?

Der Kern des steuerlichen Vorteils liegt in der unterschiedlichen Besteuerung laufender Mieterträge und der Möglichkeit zur Thesaurierung. Betrachten wir ein konkretes Zahlenbeispiel.

Beispielrechnung: Mehrfamilienhaus aus der Zwangsversteigerung

Annahmen:

  • Zuschlagspreis: 500.000 Euro
  • Verkehrswert laut Gutachten: 650.000 Euro
  • Jahresnettokaltmiete: 42.000 Euro
  • Nicht umlegbare Bewirtschaftungskosten: 8.000 Euro p.a.
  • AfA-Bemessungsgrundlage (Gebäudeanteil 80 %): 400.000 Euro
  • AfA-Satz: 2 % (Baujahr nach 1924)
  • Jahres-AfA: 8.000 Euro
  • Darlehenszinsen: 12.000 Euro p.a.
  • Zu versteuernder Gewinn: 42.000 - 8.000 - 8.000 - 12.000 = 14.000 Euro

Variante 1: Privatperson (Spitzensteuersatz 42 %)

PositionBetrag
Zu versteuernder Gewinn14.000 Euro
Einkommensteuer (42 %)5.880 Euro
Solidaritätszuschlag (5,5 %)323 Euro
Steuerbelastung gesamt6.203 Euro
Verbleibender Gewinn nach Steuer7.797 Euro

Variante 2: Vermögensverwaltende GmbH (mit erweiterter Grundbesitzkürzung)

PositionBetrag
Zu versteuernder Gewinn14.000 Euro
Körperschaftsteuer (15 %)2.100 Euro
Solidaritätszuschlag (5,5 % auf KSt)116 Euro
Gewerbesteuer0 Euro (erweiterte Kürzung)
Steuerbelastung gesamt2.216 Euro
Verbleibender Gewinn nach Steuer11.784 Euro

Ergebnis: Die GmbH spart in diesem Beispiel jährlich 3.987 Euro an Steuern -- das sind rund 64 Prozent weniger Steuerlast. Über einen Haltezeitraum von 20 Jahren summiert sich dieser Vorteil auf fast 80.000 Euro, ohne Zinseszinseffekt durch Reinvestition.

Variante 3: Gewerbliche GmbH (ohne erweiterte Kürzung)

Bei einem angenommenen Gewerbesteuer-Hebesatz von 400 Prozent ergibt sich eine Gewerbesteuer von rund 1.960 Euro (14.000 x 3,5 % x 400 %). Die Gesamtbelastung steigt auf circa 4.176 Euro. Immer noch günstiger als privat, aber deutlich teurer als die vermögensverwaltende Variante.

Was ist die erweiterte Grundbesitzkürzung nach § 9 Nr. 1 Satz 2 GewStG?

Die erweiterte Grundbesitzkürzung ist das Herzstück der steuerlichen Optimierung bei vermögensverwaltenden Immobilien-GmbHs. Sie bewirkt, dass der gesamte Gewerbeertrag, der auf die Verwaltung und Nutzung eigenen Grundbesitzes entfällt, von der Gewerbesteuer befreit wird. Im Idealfall fällt damit gar keine Gewerbesteuer an.

Voraussetzungen

Die Voraussetzungen sind streng und müssen lückenlos eingehalten werden:

  1. Ausschliesslich eigener Grundbesitz: Die GmbH darf nur eigenen Grundbesitz verwalten und nutzen. Schon eine einzige gewerbliche Nebentätigkeit -- etwa die Vermittlung von Wohnungen für Dritte -- kann die Kürzung vollständig vernichten.
  2. Kein Grundstückshandel: Regelmäßiger An- und Verkauf ist schädlich.
  3. Eigenes Kapital verwalten: Keine Verwaltung fremden Vermögens.
  4. Keine schädlichen Nebentätigkeiten: Selbst die Aufstellung von Getränkeautomaten im Treppenhaus wurde von Finanzgerichten als schädlich eingestuft.

Praxistipp: Halten Sie den Gesellschaftszweck in der Satzung eng gefasst auf "Erwerb, Halten und Vermieten eigener Immobilien". Jede Erweiterung ist ein potenzielles Risiko für die Kürzung.

Was regelt § 8b KStG beim Verkauf einer Immobilien-GmbH?

Ein weiterer steuerlicher Baustein betrifft die Veräußung von GmbH-Anteilen. Nach Paragraph 8b Absatz 2 KStG sind Gewinne aus der Veräußung von Anteilen an Kapitalgesellschaften zu 95 Prozent steuerfrei, wenn der Veräußer selbst eine Kapitalgesellschaft ist.

Was bedeutet das in der Praxis? Wenn Sie Ihre Immobilien in einer GmbH halten und später eine Holding-Struktur aufbauen (GmbH hält Anteile an Immobilien-GmbH), können Sie die gesamte Immobilien-GmbH praktisch steuerfrei veräußn. Die Grunderwerbsteuer fällt bei einem sogenannten Share Deal nur an, wenn 90 Prozent oder mehr der Anteile übertragen werden (seit 2024 auf 90 Prozent gesenkt). Durch geschickte Strukturierung lässt sich auch diese vermeiden.

Für den Aufbau eines größeren Immobilienportfolios aus Zwangsversteigerungen kann eine Holding-GmbH über Objekt-GmbHs daher langfristig die steuerlich effizienteste Lösung sein.

Warum wirkt Thesaurierung in der GmbH wie ein Rendite-Turbo?

Der größte Vorteil der GmbH gegenüber der privaten Immobilienanlage liegt in der Thesaurierung -- dem Einbehalten und Reinvestieren von Gewinnen innerhalb der Gesellschaft. Während die Privatperson ihren Gewinn nach Steuern bereits mit 42 Prozent versteuert hat und nur den Rest reinvestieren kann, stehen der vermögensverwaltenden GmbH rund 84 Prozent des Gewinns für Reinvestitionen zur Verfügung.

Langfristiger Effekt der Thesaurierung

Nehmen wir an, beide Varianten erwirtschaften jährlich 14.000 Euro vor Steuern und reinvestieren den Gewinn nach Steuern zu 5 Prozent Rendite:

ZeitraumPrivatperson (nach 42 % ESt)GmbH (nach 15,825 % KSt+SolZ)
Nach 5 Jahren43.800 Euro62.400 Euro
Nach 10 Jahren98.200 Euro148.600 Euro
Nach 20 Jahren252.000 Euro395.000 Euro
Nach 30 Jahren493.000 Euro810.000 Euro

Die Differenz wächst durch den Zinseszinseffekt exponentiell. Nach 30 Jahren hat die GmbH-Struktur rund 317.000 Euro mehr angesammelt. Dieser Effekt wird umso stärker, je mehr Objekte aus Zwangsversteigerungen hinzukommen und die Mieteinnahmen steigen.

Wichtig: Die Besteuerung wird nicht vermieden, sondern aufgeschoben. Bei Ausschüttung an den Gesellschafter fällt die Kapitalertragsteuer (25 % plus SolZ) oder das Teileinkünfteverfahren (60 % steuerpflichtig) an. Der Vorteil liegt im zeitlichen Aufschub und der höheren Reinvestitionsbasis.

Was gilt beim GmbH-Kauf in der Zwangsversteigerung?

Das Ersteigern über eine GmbH bringt einige verfahrensspezifische Besonderheiten mit sich, die Sie kennen müssen.

Sicherheitsleistung über die GmbH

Die Sicherheitsleistung in Höhe von 10 Prozent des Verkehrswerts muss vor oder während des Versteigerungstermins erbracht werden. Bei einem Bieten für die GmbH gelten folgende Regeln:

  • Der Geschäftsführer kann direkt für die GmbH bieten, muss aber seinen Ausweis und einen aktuellen Handelsregisterauszug vorlegen (nicht älter als drei Monate).
  • Bei Bevollmächtigten ist eine notariell beglaubigte Vollmacht der GmbH erforderlich.
  • Die Sicherheitsleistung muss auf den Namen der GmbH lauten. Eine Bankbürgschaft muss von der Hausbank der GmbH ausgestellt sein, nicht von der Privatbank des Gesellschafters.
  • Bundesbankschecks müssen auf die GmbH lautend ausgestellt sein.
  • Überweisungen müssen vom Geschäftskonto der GmbH erfolgen.

Praxisproblem: Frisch gegründete GmbHs haben oft noch kein ausreichendes Banklimit für Bürgschaften. Planen Sie dies frühzeitig ein und stellen Sie sicher, dass die Finanzierung der Sicherheitsleistung aus dem Gesellschaftsvermögen oder einer Bankbürgschaft gesichert ist.

Finanzierung bei GmbH-Erwerb

Die Finanzierung einer Zwangsversteigerung über eine GmbH ist anspruchsvoller als beim Privatkauf:

  1. Höhere Eigenkapitalanforderungen: Banken verlangen von GmbHs typischerweise 20-30 Prozent Eigenkapital, während Privatpersonen teilweise mit 10-15 Prozent auskommen.
  2. Persönliche Bürgschaft: Trotz Haftungsbeschränkung der GmbH verlangen die meisten Banken eine persönliche Bürgschaft des Gesellschafters. Die Haftungsbeschränkung greift also gegenüber der Bank oft nicht.
  3. Bilanzielle Anforderungen: Banken prüfen die GmbH-Bilanz. Eine frisch gegründete GmbH mit nur 25.000 Euro Stammkapital hat wenig Bonität. Lösungsansätze: Gesellschafterdarlehen einbringen, vorhandene Immobilien als Sicherheit stellen oder über eine bestehende, bilanziell solide GmbH kaufen.
  4. Zeitdruck im ZVG-Verfahren: Nach dem Zuschlag müssen Sie den Kaufpreis innerhalb weniger Wochen zahlen. Stellen Sie sicher, dass die Finanzierungszusage der Bank vor dem Versteigerungstermin vorliegt und auf die GmbH als Darlehensnehmerin lautet.

Grunderwerbsteuer bei GmbH-Kauf

Anders als beim privaten Erwerb löst der Kauf über eine GmbH keine zusätzliche Grunderwerbsteuer aus -- die Steuer fällt in gleicher Höhe an wie bei der Privatperson und bemisst sich nach dem Zuschlagspreis. Der Unterschied zeigt sich erst später bei einer möglichen Veräußung der GmbH-Anteile (Share Deal), die unter Umständen grunderwerbsteuerfrei gestaltet werden kann.

Wie schützt die GmbH Ihr Privatvermögen?

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil der GmbH ist die Haftungsbeschränkung. Als Privatperson haften Sie bei Immobilieninvestitionen mit Ihrem gesamten Vermögen -- für Darlehensforderungen, Mängel am Gebäude, Verkehrssicherungspflichten oder Umweltaltlasten. Die GmbH haftet dagegen grundsätzlich nur mit ihrem Gesellschaftsvermögen.

Einschränkungen in der Praxis:

  • Banken verlangen persönliche Bürgschaften (siehe oben).
  • Bei Durchgriffshaftung (Vermögensverquickung, Unterkapitalisierung) kann die Haftungsbeschränkung durchbrochen werden.
  • Der Geschäftsführer haftet persönlich bei Pflichtverletzungen (Paragraph 43 GmbHG).

Dennoch bietet die GmbH gerade bei Zwangsversteigerungen einen strukturellen Vorteil: Da Objekte aus der Zwangsversteigerung häufig Mängel aufweisen, die erst nach dem Zuschlag sichtbar werden, schützt die GmbH-Struktur das übrige Privatvermögen des Investors.

Was kostet Gründung und Betrieb einer Immobilien-GmbH?

Gründungskosten

PositionKosten (ca.)
Notarkosten (Musterprotokoll)400 - 600 Euro
Notarkosten (individuelle Satzung)800 - 1.500 Euro
Handelsregistereintragung150 Euro
Gewerbeamtanmeldung20 - 60 Euro
Steuerberater (Erstberatung)500 - 1.000 Euro
Mindeststammkapital25.000 Euro (davon mind. 12.500 Euro bei Gründung einzuzahlen)
Gesamtkosten Gründungca. 1.500 - 3.000 Euro (zzgl. Stammkapital)

Laufende Kosten

Die GmbH unterliegt der Buchführungspflicht und muss einen Jahresabschluss (Bilanz und GuV) erstellen sowie beim Bundesanzeiger veröffentlichen. Diese Pflichten verursachen laufende Kosten, die Sie in Ihre Renditeberechnung einbeziehen müssen:

PositionJährliche Kosten (ca.)
Steuerberater (Buchführung + Jahresabschluss)3.000 - 6.000 Euro
Körperschaftsteuer-Erklärung800 - 1.500 Euro
Gewerbesteuer-Erklärung500 - 800 Euro
IHK-Pflichtbeitrag150 - 300 Euro
Geschäftskonto100 - 300 Euro
Bundesanzeiger-Veröffentlichung30 - 50 Euro
Laufende Fixkosten gesamtca. 4.500 - 9.000 Euro p.a.

Diese Fixkosten sind der Grund, warum sich eine GmbH erst ab einem gewissen Immobilienvolumen rechnet. Bei einer einzelnen Wohnung mit 5.000 Euro Jahresgewinn fressen die laufenden Kosten den gesamten Steuervorteil auf. Nutzen Sie unseren Renditerechner, um die Wirtschaftlichkeit vor dem Gebot durchzurechnen.

Wann lohnt sich die GmbH? Entscheidungsrahmen

Die zentrale Frage ist: Ab welchem Punkt überwiegen die Steuervorteile die Mehrkosten der GmbH-Struktur? Die Antwort hängt von drei Faktoren ab.

Faktor 1: Ihr persönlicher Steuersatz

Je höher Ihr persönlicher Einkommensteuersatz, desto größer der Vorteil der GmbH. Die Schwelle liegt typischerweise bei einem Grenzsteuersatz ab 35 Prozent (zu versteuerndes Einkommen ab ca. 62.000 Euro für Ledige bzw. 124.000 Euro für Verheiratete). Unterhalb dieses Satzes ist der Steuervorteil der GmbH zu gering, um die Mehrkosten zu rechtfertigen.

Faktor 2: Das Immobilienvolumen

Als Faustregel gilt: Die vermögensverwaltende Immobilien-GmbH lohnt sich ab einem jährlichen Mietüberschuss von mindestens 15.000 bis 20.000 Euro nach Abzug aller Bewirtschaftungskosten, AfA und Zinsen. Das entspricht typischerweise einem Immobilienportfolio ab ca. 500.000 bis 800.000 Euro Marktwert oder zwei bis drei Objekten aus der Zwangsversteigerung.

Faktor 3: Die Haltedauer und Reinvestitionsabsicht

Die GmbH entfaltet ihren größten Vorteil bei langfristigem Halten und Reinvestieren. Wer plant, Gewinne zu entnehmen, um den persönlichen Lebensunterhalt zu bestreiten, verliert den Thesaurierungsvorteil. Die GmbH ist ideal für Investoren, die ein Portfolio aufbauen und die Gewinne systematisch in weitere Zwangsversteigerungsobjekte reinvestieren möchten.

Entscheidungsmatrix

KriteriumPrivatperson besserGmbH besser
Persönlicher Steuersatzunter 35 %über 35 %
Anzahl Objekte1 Objektab 2-3 Objekte
Jährlicher Mietüberschussunter 15.000 Euroüber 15.000 Euro
Haltedauerunter 10 Jahreüber 10 Jahre
GewinnverwendungEntnahme für LebenshaltungReinvestition in Immobilien
Haftungsrisikogering (Eigentumswohnung)hoch (MFH, Altlasten-Risiko)
Verwaltungsbereitschaftminimalbereit für Buchhaltungspflichten
Exit-StrategieEinzelverkaufPortfolio-/Share-Deal-Verkauf

Welche Fehler passieren bei der GmbH-Gründung?

  1. Zu späte Gründung: Die GmbH-Gründung dauert mit Notar, Handelsregister und Kontöröffnung typischerweise 4 bis 8 Wochen. Wer erst nach einem gefundenen Versteigerungsobjekt gründet, verpasst den Termin. Gründen Sie die GmbH rechtzeitig vor dem ersten Gebot.

  2. Zu breiter Gesellschaftszweck: Ein weit gefasster Zweck gefährdet die erweiterte Grundbesitzkürzung. Beschränken Sie sich auf Erwerb, Halten und Vermieten eigener Immobilien.

  3. Unterkapitalisierung: Das Mindeststammkapital von 25.000 Euro reicht nicht für die Sicherheitsleistung bei den meisten Zwangsversteigerungen. Planen Sie Gesellschafterdarlehen oder Kapitalerhöhungen ein.

  4. Keine Trennung von Privat- und Gesellschaftsvermögen: Vermischte Konten oder informelle Entnahmen führen zur Durchgriffshaftung und gefährden den Haftungsschutz.

  5. Vergessen der Offenlegungspflicht: Die GmbH muss den Jahresabschluss im Bundesanzeiger veröffentlichen. Verstöße führen zu Ordnungsgeldern von bis zu 25.000 Euro.

Ist eine UG statt einer GmbH sinnvoll?

Die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) kann theoretisch mit nur 1 Euro Stammkapital gegründet werden. Für den Immobilienerwerb in der Zwangsversteigerung ist sie jedoch aus mehreren Gründen ungeeignet:

  • Banken bewerten die UG als wenig kreditwürdig.
  • Die Sicherheitsleistung kann nicht aus dem Gesellschaftsvermögen erbracht werden.
  • 25 Prozent des Jahresüberschusses müssen bis zum Erreichen von 25.000 Euro Stammkapital in die gesetzliche Rücklage eingestellt werden -- das schränkt die Reinvestitionsmöglichkeiten ein.
  • Der Namenszusatz "UG (haftungsbeschränkt)" signalisiert gegenüber Gerichten und Gläubigerbanken geringe Kapitalausstattung.

Empfehlung: Gründen Sie direkt eine GmbH mit dem vollen Mindeststammkapital von 25.000 Euro.

Lohnt sich eine Immobilien-GmbH für Sie?

Vor der Gründung:

  • Persönlichen Grenzsteuersatz prüfen (lohnt sich ab ca. 35 %)
  • Geplantes Investitionsvolumen kalkulieren (lohnt sich ab ca. 500.000 Euro Portfolio)
  • Steuerberater mit Immobilien- und GmbH-Expertise konsultieren
  • Holding-Struktur prüfen (sinnvoll ab 3+ Objekten)

Bei der Gründung:

  • Notartermin für Gesellschaftsvertrag (individuell, nicht Musterprotokoll)
  • Gesellschaftszweck eng fassen: "Erwerb, Halten und Vermieten eigener Immobilien"
  • Stammkapital vollständig einzahlen (25.000 Euro)
  • Geschäftskonto bei finanzierungsbereiter Bank eröffnen
  • Handelsregistereintragung abwarten (ca. 2-4 Wochen)
  • Steuerliche Erfassung beim Finanzamt beantragen

Vor dem Versteigerungstermin:

  • Aktuellen Handelsregisterauszug besorgen (nicht älter als 3 Monate)
  • Sicherheitsleistung auf GmbH-Konto oder als Bankbürgschaft der GmbH vorbereiten
  • Finanzierungszusage der Bank auf die GmbH als Darlehensnehmerin sicherstellen
  • Ggf. notarielle Vollmacht für Bieter ausstellen lassen

Im Versteigerungstermin:

  • Handelsregisterauszug, Personalausweis des Geschäftsführers und ggf. Vollmacht mitbringen
  • Beim Gebot klarstellen: "Ich biete für die [Firmenname] GmbH"
  • Sicherheitsleistung im Namen der GmbH erbringen

Nach dem Zuschlag:

  • Kaufpreiszahlung vom GmbH-Konto
  • Grundbucheintragung auf die GmbH
  • Steuerberater über den Erwerb informieren
  • Mietverträge prüfen und ggf. auf die GmbH umstellen
  • Laufende Buchführung und Steuererklärungen sicherstellen

Fazit

Die Immobilien-GmbH ist kein Allheilmittel, aber ein leistungsstarkes Werkzeug für Investoren, die systematisch Immobilien aus Zwangsversteigerungen erwerben und ein Portfolio aufbauen möchten. Der Steuervorteil von rund 15,825 Prozent gegenüber bis zu 47,475 Prozent bei der Privatperson entfaltet durch Thesaurierung und Reinvestition über die Jahre eine enorme Wirkung. Gleichzeitig schützt die Haftungsbeschränkung das Privatvermögen vor den typischen Risiken von Zwangsversteigerungsobjekten.

Die Kehrseite sind laufende Kosten von 4.500 bis 9.000 Euro pro Jahr, erhöhter Verwaltungsaufwand und strengere Finanzierungsanforderungen. Die GmbH lohnt sich daher erst ab einem persönlichen Steuersatz von mindestens 35 Prozent, einem Immobilienportfolio ab circa 500.000 Euro und der klaren Absicht, Gewinne langfristig zu reinvestieren. Wer diese Voraussetzungen erfüllt, sollte die GmbH-Struktur ernsthaft prüfen -- idealerweise mit einem auf Immobiliensteuerrecht spezialisierten Steuerberater.

Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung, Anlage- oder Finanzberatung oder Steuerberatung dar. Für Ihre individuelle Situation konsultieren Sie bitte einen Fachanwalt, einen Finanzberater oder einen Steuerberater oder Notar. Alle Angaben ohne Gewähr.

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